黃金峽谷 – Flußwandern im GoldCanyon

43Ab in den Osten, der 黃金峽谷 (HuángJīn XiáGǔ) hat gerufen! Es ist Freitag: Nach dem Mittagessen raus aus dem Labor, Überstunden abfeiern und ebenso auch gleich den Arbeitssamstag finanzieren (einen Samstag im Monat müssen wir 1/2 Tag arbeiten, diesmal fiel er auf den Wandertag). Duschen (wozu eigentlich bei 36°C ?), den schon am Vorabend gepackten Rucksack geschnappt und ab zum Bus 936 in die Stadt:

Zuerst nach Taipei (YuanShan MRT), umsteigen in den Fernbus nach LuoDong an die Ostküste, durch den langen Tunnel auf der Autobahn. In LuoDong gehts weiter mit dem  Zug (die Küstenstraße ist immer noch wegen Dauererdrutsch unpassierbar, der neue Highway mit vielen Tunnels wird noch ein paar Jahre brauchen, bis er fertig ist) und bis XinShen fahren, die Bahnstation der Tarokoschlucht. Um 7 Uhr abends komme ich an, bis zum Treffen mit meinen Wanderfreunden habe ich noch 2 ½ Stunden Zeit. Zeit, die Gegend zu erkunden: Neben ein paar Häusern und Geschäften am Bahnhofsplatz und einem wöchentlichen Nachtmarkt, auf dem ich mir noch ein paar Strümpfe besorge, ist erst mal nicht viel vom Dorf zu sehen, so beschließe ich, XinShen zu suchen: Das versteckt sich hinter ein paar Straßenbiegungen und 10 min Fußmarsch. Außer 2 Frisörgeschäften, einem kleinen Laden (ich gönne mir eine Flasche Sars) und einer Autowerkstatt scheint es nicht viel zu geben. Etwas mehr Infrastruktur entdecke ich schließlich auf meinem Rückweg zum Bahnhof entlang der Küstenstraße: Im 7-Eleven gibt es Abendessen, 2 Reiskuchen mit Fischfüllung, eingewickelt in geröstetes Algenpapier, und im FamilyMart noch ein Mangosofteis zum Nachtisch. Nach und nach trifft der Rest der Gruppe mit dem Zug ein. Wir marschieren zu unserem Nachtquartier, einem einfachen Homestay mit Etagendusche und halbverstopftem Waschbecken, schalten die Klimanlage und den Miefquirl auf Volldampf und fallen in die Betten.

Um 6 Uhr am nächsten Morgen weckt uns trompetenähnlicher Lärm. Und das an einem Samstag!  Zum Frühstücken gehen wir in den Frühstückladen um die Ecke: Für mich gibts 2 Mantou (mit Fleisch gefüllte Dampfsemmeln) und dazu Kaffee, irgendwie hat es eine Espressomaschine in diesen entlegenen Winkel Taiwans geschafft. Dann werden wir auch schon abgeholt vom multifunktionellen Dorfpfarrer aus SanJhan (der sich sogar noch an mich erinnert, er hat mich schon kürzlich bei unserer Tarokotour gefahren) und seiner Truppe, die uns zu ihrem Dorf in der Nähe bringen. Viele Menschen aus SanJhan sind noch in Dörfern in den Bergen geboren und mehr oder weniger freiwillig an die Küste gezogen. Sie gehören zum Stamm der Truku.

Neben der Zementindustrie, welche den Kalkstein verbrät, aus dem die Berge hier bestehen, beginnt der Tourismus zu einem Wirtschaftsfaktor zu werden: Findige junge Leute aus dem Dorf bieten Flußtrekking an: sie stellen das Equipment zur Verfügung (geeignete Schuhe, so eine Art Kreuzung aus Gummistiefeln und Filzpantoffeln, mit denen man auf nassen Steinen Halt findet, Schwimmwesten, Helme und bei Bedarf Neoprenanzüge) und arbeiten als Wanderführer.

26Zunächst geht die Tour sehr gemächlich am südlichsten der 3 kleinen Flüsse entlang, die aus den Bergen kommend sich in der Nähe des Dorfes treffen. Zur ersten Lagebesprechung sitzen wir gemütlich im warmen Wasser. Die nächste Rast machen wir an einem Felsen, an dem wir schon mal üben, wie man mit voller Montur ein paar Meter tief ins Wasser springt, denn das brauchen wir für den Rückweg!

An einer unscheinbaren Stelle verlassen wir den Hauptlauf, klettern über Felsen in ein enges Seitental und arbeiten uns zu unserem Ziel vor. Immer wieder queren wir den Fluß, der hier manchmal hüfttief ist. Schließlich zweigt eine weitere Seitenschlucht ab, die unser Ziel ist: Der Goldcanyon. Der heißt nicht so, weil man dort Gold gefunden hätte, sondern weil die Sonne manchmal so schöne Farben zaubert!

Es ist wirklich wunderschön: Das klare, saubere Wasser hat sich durch hohe Felswände gefressen, die oft nur ein paar Meter voneinander entfernt sind. Um voranzukommen müssen wir manchmal schwimmen. Die beiden Nichtschwimmer unserer Gruppe lassen sich dank der Schwimmwesten treiben, wir ziehen und bugsieren sie übers Wasser. Drei Wasserfälle kraxeln wir hinauf, unsere Guides haben Seile und eine Trittleiter reingehängt und packen den einen und anderen von uns auch mal Kragen, wenns sein muß. Insgesamt sind heute 4 Gruppen in der Schlucht unterwegs, sodaß es an den Kletterstellen Staus und Wartezeiten gibt, zumal der Rückweg über die gleiche Strecke führt. Da kaum Sonne in die enge Schlucht kommt, beginnen wir zu frösteln. Wegen der permanenten Steinschlaggefahr verziehen wir uns unter Felsvorsprüngen während wir warten. Prompt kommt auch ein größerer Brocken vor unseren Augen runter.

46Wir erreichen unser Ziel, eine vielleicht 50m hohe Felswand, über die der Bach sich in einem wunderschönen Wasserfall uns entgegenstürzt. Hier ist es schöner und beeindruckender, als in der Tarokoschlucht nebenan, auch, weil man diese wunderbare Natur selbst aktiv erleben kann. Man darf sich sogar etwas anstrengen, um hierhin zu kommen. Bleibt zu hoffen, dass dieses Paradies lange so unberührt erhalten bleibt! Außer einem Trampelpfad, der von einheimischen Jägern stammt und einer Handvoll Haken zum Sichern an den Wasserfällen gibt es keine Spuren der Zivilisation!

Auf dem Rückweg kürzen wir manche Kletterstellen durch einen Sprung ins tiefe Wasser der Gumpen ab. Nach der engen Schlucht gibt es Mittagessen: Nudeln mit Soße und Fleischbällchen, in den Varianten scharf (eigentlich nicht) und weniger scharf (also gar nicht). Jeder haut rein, Natur macht hungrig! Einer der Guides zeigt uns Fische und Garnelen, die es hier gibt, er hat sie mit einer Reuse gefangen. Dann fängt es an, in Strömen zu regnen, aber es ist viel zu warm, um Abkühlung zu bringen. Wir bewegen uns deshalb schwimmend voran, wann immer der kühlende Fluß Gelegenheit dazu bietet.

Am Spätnachmittag kommen wir zurück nach SanJhang: Duschen, umziehen und ab zum Bahnhof. In LuoDong bekomme ich noch einen Platz in einer Fahrgemeinschaft nach Taipei. Mit dem Bus fahre ich schließlich von dort nach Hause. Waschmaschine füttern, zur Belohnung gibts ein Grünalgenbier von „Wheat Farm Manual Beer“ und dann gehts ab ins Bett. Gute Nacht!

Es war eine absolut tolle Tour und ein unvergeßlichen Naturerlebnis!

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Fotos von Vanessa Huang, DongPo Deng und 蔡明錫 (Adam), da ich mangels wasserdichter Kamera nicht selbst fotografiert habe.

Links zum Thema:

Ein Tourenbericht von Neil Wade (auf Englisch)

Die Homepage von SanJhan (Englisch und Mandarin).

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