Stegosaurus Ridge – We walk the Dinosaur! 劍龍稜 鋸齒稜 茶壺山

41Auf gehts, nach JinGuaShi, dem Goldmelonen-Stein! Der Tag fängt bestens an: Aufstehen um 5, beim Schnüren meiner gerade mal 4 Monate alten Salomon-Bergstiefel reißt eine Niete raus, zum Glück hab ich noch etwas ausgelatschte Ersatzschuhe, in die ich fluchend wechsle. Um 6 geht der Bus nach Taipei, Treffpunkt ist am Bahnhof. 12 wahnsinnige „Taipei Hikers“ werden für einen „strenuous hike – experienced people only, please“ erwartet. Die Teilnehmerliste war innerhalb kurzer Zeit voll, obwohl nicht jeder mitdurfte, der mitwollte. Mein Tourenbericht war die Eintrittskarte! Pünktlich um 7:15 sind wir vollzählig und ziehen los. Draußen hat es 28°C. Wer zu spät gekommen wäre, würde Pech gehabt haben, denn um 7:30 geht der Zug nach Ruifang.

Etwas verschlafen traben wir durch die verschlungenen Katakomben des Tiefbahnhofs. Dora Chiu, die die Tour organisiert hat, kennt den Weg, die JoJo-/EasyCard ersetzt das Ticket und öffnet uns berührungslos das Gate zum Bahnsteig. 45 min später In Ruifang (die Fahrt kostete 1€, mittlerweile haben wir 32°C im Schatten) bringen uns 2 Taxis (2€ pro Nase) in 10min zu km 60.1 der Küstenstraße. Durch eine Lücke in der Mauer schleichen wir uns auf ein aufgegebenes Industriegelände. Die Alarmanlage, die man letztes Jahr noch hatte vermeiden sollen, gibts nicht mehr, auch der Wächter hat schon lange das Weite gesucht. Hier gibts auch nix mehr zu finden, bis auf einen einsamen verstaubten Feurlöscher vielleicht, den ich im Vorbeigehen in einer fenster- und türenlosen Halle erspähe. Eigentlich ein schöner Platz für ein Wohnhaus mit großem Garten in absolut ruhiger Lage und vor allem im Grünen!

Am Ende der verfallenden Anlage, in der einmal Kupfererz verarbeitet wurde, beginnt auch schon der Pfad durch steil ansteigendes Gelände. Es ist heiß, im menschenhohen schilfartigen Grün steht die Luft. Der Weg ist verwachsen, die Sonne brennt gnadenlos. Schatten gibt es so gut wie keinen. Kein Wölkchen ist am Himmel: Kaiserwetter! Das Grünzeug zerkratzt und schneidet die Haut. Bald kommen die ersten Felsen des Dinosaurierrückens, der sich gefühlt über mehrere Kilometer hinziehen wird. Die Aussicht ist phantastisch: Uns umgeben grün bewachsene Hügel, aus denen gelegentlich Felsen herauswachsen. Und natürlich ist da der beeindruckende Stegosaurus mit seinen vielen Zacken.

Ohne Vorwarnung beginnt meine rechte Schuhsole sich vorne abzulösen, heute ist vermutlich nicht mein Tag. Hoffentlich hält das Teil für den Rest des Weges. Umkehren geht nicht, wir sind schon mitten am Berg. Nach einiger Zeit flattert auch das Fersenteil in der Luft. Lowa-Schuhe sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren, ich bin sauer, aber guten Mutes. Der Schuh „wird halten“, ich passe halt auf, daß ich ihn nicht strapaziere. Der Weg ist dennoch anstrengend. Es ist heiß, auch auf dem Grat bewegt sich kaum ein Lüftchen. Mittlerweile zeigt sich ab und zu ein kleines Wölkchen, das sich auch dankbarerweise vor die Sonne schiebt. Meine mitgebrachten 3 Liter Wasser schwinden schneller als geplant. Zum Glück hat Richard 6 Liter dabei und kann später etwas davon teilen, nicht nur mit mir. Die wenigen schattigen Stellen auf dem ausgesetzen Pfad nutzen wir zum ausiebigen Rasten, auch, um etwas abzukühlen. Hinter jedem Scheingipfel kommt ein neuer Scheingipfel. Stegosauruszacken eben. Die Aussicht zum Teekannenberg (茶壺山) und zum Keelung Mountain ist großartig. Es kommen einige Kletterstellen, die mit Seilen ausgestattet sind, wir zwängen uns auf ausgesetztem Weg unter einem Felsvorsprung hindurch und dann haben wir es endlich geschafft: Der Dinosaurier ist bezwungen!

Nun führt uns eine etwa 15 hohe Felsrinne hinab vom Grat in Richtung Teetopfberg, der uns aus dieser Perspektive den Grund seines Namens noch nicht preisgibt. Der Weg wird einfach und kurze Zeit später haben wir die Teekanne erreicht: Eine kurze Kletterstelle hoch, eine kurze Rast im Schatten eines Felsen, über ein paar Blöcke drüber und auf der anderen Seite durch einen Minikamin wieder runter. Geschafft! Jetzt sehen wir auch den herausragenden Felsen, der dem Ensemble die Form einer Teekanne gibt. Mit etwas Phantasie. Die Taiwaner denken gerne an Essen und Trinken! Mich wird es nicht wundern, wenn unsere nächste Tour auf einen Schweinshaxenberg (豬腳) oder durch einen Nudelsuppenbach (湯麵) führt. Der nun ausgebaute Weg führt an einem gemauerten kleinen Pavillion vorbei, an dem wir nochmal rasten, bald kommen wir an einem Parkplatz vorbei, auf eine Straße und können glüklicherweise die 2.8km die noch vor uns liegen, durch einen Fußpfad abkürzen.

Wir erreichen das Goldmuseum in JiuFen, dort herrscht Volksfeststimmung. Unmengen von Touristen! Mit einer taiwanesischen Köstlichkeit belohnen wir uns: geschreddertes Wassereis mit geronnener Sojamilch und gekochten Erdnüssen in Zuckersirup. Das Kalorienbömbli kommt gerade recht! Prompt fallen 3 Ausflügler über uns Langnasenhorde her (so annähernd, wir haben auch 3 Locals dabei) und wollen sich mit uns fotografieren lassen. Da Widerstand sowieso zwecklos ist und vermutlich auch unhöflich, machen wir halt mit. Gestärkt gehts ab zum Bus nach Taipei, der sich erst mal eine Stunde lang oder so (ich ziehe es vor, zu schlafen) durch das Verkehrschaos von JiuFen quält. Der einstige Goldgräberort ist dem sonntäglichen Touristenansturm von dem er heute lebt, nicht gewachsen.

Zurück in Taipei gehen wir lecker taiwanesisch Essen (der Tisch biegt sich für 7€50 pro Nase einschließlich Getränken) Mir dämmert, daß Taiwanesen an der Stelle, wo bei uns Langnasen der Magen sitzt, ein schwarzes Loch haben müssen und dann gehts ab nach Hause: Duschen, Wunden lecken (Geheimtip: fluoridhaltige Zahnpasta als Duschgel verwenden, das hält Entzündungen und Scheuerstellen flach!) und die Beine hoch!

 Und hier die Fotos (nicht nur von mir).

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