Unterwegs auf dem NenKao Trail – 6 Tage zu Fuß durch die Berge!

047Auf dem eigentlichen NenKao-(Kern-)Trail war ich schon im Frühjahr unterwegs (und habe hier immer noch keinen Bericht geschrieben). Er ist eine schöne Wochenendtour von 27km. Wir wurden damals mit Kleinbussen bis zum westlichen Trailhead gebracht und am anderen Ende wieder abgeholt.

Man kann es auch etwas härter haben wenn man will und nur öffenliche Verkehrsmittel benützen, dann wird ein anstrengender Marsch von 6 Tagen daraus. Und eine richtig tolle Inselüberquerung. Zudem ist die Tour, wie ich sie im April gemacht habe, auf absehbare Zeit gar nicht mehr möglich, da der obere Teil der Forststraße auf der Ostseite von den letzten Taifunen völlig zerstört wurde und nur noch zu Fuß zu bewältigen ist.

Kurt fehlte der NenKao Trail noch in seiner Sammlung der Taiwanwanderungen. Er hatte ihn schon 3x probiert, aber immer wurde das Wetter so schlecht, daß er abbrechen und umkehren mußte. Jetzt, beim 4. Mal, sollte es klappen. Wir haben viele schöne und interessante Erfahrungen von dieser Expedition mitgebracht, die Natur war grandios wirklich überwältigend. Der Weg war zum Teil sehr abenteuerlich und vor allem anstrengend. Wieder einmal durften wir die Naturgewalten unserer formosen Insel mit unseren eigenen Sinnen erleben!

Ein Klick auf diesen Link hier führt zu einer besseren Darstellung der Karte in einem neuen Fenster.

Die Wegpunkte:

A   WuShe Township (霧社). Start am Busbahnhof.
B   LuShan Hotsprings, Übernachtung im Hotel.
C   Teefarm von Familie Zhen (Homestay)
D   Westeingang des NenKao Trails
E    TianShi-Hütte
F    Stützpunkt von TaiPower beim WanShan Tempel (萬善堂). Camping.
G   LongJian (龍澗) Kraftwerk. Camping
H  SiouLin Township.

Technische Details:

Start bei 700 Höhenmeter in WuShe, höchster Punkt 2840 Hm (TianShi-Hütte), Ziel bei 50 Hm in SiouLin. Gelaufene Wegstrecke ca. 90km in 6 Tagen.

Erforderlich: Mountain-Permit, Zelt, Schlafsack, Nahrung für 4 Tage, Wassertransportkapazität von mindestens 3 Litern / Person, Trinkwasserfilter, Sonnenschutz.

Auf weiten Teilen des Weges über mehrere Tage kein Mobilfunkempfang, Sonst zT nur ChungHwa Telecom. Auf dem Ostteil des Trails bis hinunter nach DongMen trifft man unter Umständen keine Menschenseele.

Und hier der Tourenbericht:

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Wegweiserwirrwar am Ortsende von WuShe. Wir gehen geradeaus nach LuShan.

Tag 1: Es ist Montag morgen, ich treffe mich mit Kurt am Busbahnhof B in Taipei City, nahe beim Bahnhof. Um 6.30 Uhr haben wir bereits 27°C. Der Himmel ist wolkenlos, die Sonne brennt schon fleißig runter. Hoffentlich bleibt das Wetter so schön! Der Bus nach PuLi  (埔里) fährt um 7, die Tickets haben wir in weiser Voraussicht schon vor ein paar Tagen gekauft, der Bus ist voll. In PuLi steigen wir um in den Bus nach WuShe (霧社), wo wir gegen Mittag ankommen. Wir besuchen erst mal die Polizeistation, bei der wir unsere Bergwanderung anmelden (müssen). Bei mehreren Tassen leckerem Hochgebirgs-Grüntee und unter Mithilfe einer jungen Dame als Übersetzerin füllen wir einen Stapel Papier mit Angaben zur Person und zur Tour, präsentieren unsere Hüttenbuchung und Landkarten und haben schließlich einen Stapel Papier in Händen mit vielen Stempeln drauf. Weiter gehts zum Mittagessen. Und dann gehts los:

18Wir verlassen WuShe in Richtung LuShan auf der Bergstraße oberhalb eines verlandenden Stausees. Es ist wenig Verkehr, meistens sind es große LKW, die leer den Berg hinauffahren und schwer beladen wieder herunterkommen, und dabei die Bremsen mit Wasser kühlen. Wir rätseln, was es dort oben wohl gebe und traben unseres Weges. An vielen Stellen wird an der Straße gearbeitet, die Fahrbahn wird ausgebessert, Leitplanken werden gesetzt und an manchen Stellen Stützmauern gebaut. Wir hatten gerade mal 3 Taifune heuer, aber diese haben Einiges an Schäden angerichtet.
Hinter jeder Kurve ist die Aussicht neu und wieder wunderbar. Am Spätnachmittag erreichen wir LuShan Hot Springs über eine Abzweigung von der Straße. Der Ort ist eine vornehmlich illegale Ansiedlung von Hotels, da es hier im Tal heiße Quellen gibt und er hat auch schon mal bessere Zeiten gesehen. Die Unwetter der vergangenen Jahre haben viel zerstört und manche Investition, mit der schnelles Geld gemacht werden sollte, ist zur Ruine verkommen. Wir erkunden den Ort und suchen uns erst einmal ein einfaches Quartier für die Nacht. Im schönsten Haus, es ist im Japanischen Stil gebaut und vielleicht das einzige legale Gebäude hier, dürfen wir leider nicht wohnen, es ist erholungssuchenden Polizisten vorbehalten. Schade. Am Fluß, der durch den Ort führt, werden die LKW mit angeschwemmtem Kies beladen.

015Tag 2: Am nächsten Morgen geht es wieder zurück zu unserer Route und weiter den Berg hinauf. Wir finden eine Abkürzung in unserer Karte, sie führt durch Tomaten- und Teegärten, und wandern wir hinauf nach LuShan. Dabei treffen wir treffen Menschen bei der Tomatenernte. In LuShan machen wir Rast bei kühler Sojamilch und einem Mantou und wollen uns noch etwas Wasser kaufen. Die Ladenbesitzerin meint jedoch, das sei nicht nötig, wir würden genügend Wasser auf dem Weg finden, was dann auch stimmte. Ein Exemplar unseres Permits hinterlassen wir im Briefkasten der geschlossenen Polizeistation (eigentlich hätten wir das in LuShan HotSprings abgeben sollen, aber der nette Polizist dort hat uns nicht danach gefragt, als wir vor seinem Posten saßen und unsere Karten studiert hatten. Stattdessen hat er uns einen Mosquito-Coil gebracht und uns angeboten, den TV auf seiner Veranda anzustellen, falls wir das möchten). Weiter gehts den Berg rauf, schließlich erreichen wir den Beginn des NenKao-Trails, den wir aber erst mal rechts liegen lassen. Unser Ziel für heute ist die Tee- und Blumenfarm von Herrn Tzen, wo ein einfaches Quartier und ein leckeres Abendessen auf uns warten.
085Die Teepflanzen der Familie Tzen.

Auf etwa 2000m Höhe wird leckerer Hochgebirgs-Grüntee angebaut und verarbeitet, außerdem wachsen hier auf den Feldern Lilien für den inländischen Markt. Familie Tzen lebt hier mit einer Handvoll Gastarbeitern aus Indonesien. Zuammen sitzen wir abends am großen runden Tisch um das reichhaltige Essen, das Frau Tzen für alle gekocht hat. Aber nur kurz leisten sie uns Gesellschaft, morgen früh werden 4 LKW erwartet, welche die Lilien abholen werden und es ist noch viel zu tun. Die Arbeit wird bis spät in die Nacht dauern. Wir erkunden noch etwas die Farm und bewundern die Schwalben, die in großer Zahl unter den Dachvorsprüngen ihre Nester haben und unermüdlich Insekten jagen.

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Erdrutsch Nr. 1

Tag 3: Nach dem reichhaltigen Frühstück, das eigentlich die Fortsetzung des Abendessens war, machen wir uns auf den Weg. Heute stehen uns nocheinmal fast 1000 Höhenmeter bevor. Auf dem Weg zum Trailhead kommen uns die LKW entgegen, in denen die Blumen transportiert werden sollen. Gleich nach dem Einstieg in den Trail überwinden wir den ersten Dauererdrutsch. Der Weg ist seit heute wieder freigegeben, wir hatten geplant. Das Wetter der letzten Wochen hat dem Trail an manchen Stellen sehr zugesetzt, es ist nicht der einzige Erdrutsch, der vor uns liegt. Nachmittags gegen 3 Uhr erreichen wir die TianShi-Hütte: Alles ist abgeschlossen, keine Menschenseele ist zu sehen. Uns war versichert worden, daß die Hütte offen sei, wir hatten ja die Schlafplätze gebucht [1]. Zum Glück haben wir ein Zelt dabei, zur Not wären wir sonst eingebrochen, wenn nicht doch jemand gekommen wäre, bei 12°C draußen zu übernachten könnte ungemütlich werden, vor allem da es zu regnen beginnt. Nach gut einer Stunde kommen 2 Jungs mit Motorrädern und sperren auf. Der Trail ist auf der Westseite auf großen Teilen befahrbar, zwischen den Erdrutschen stehen Motorräder bereit. Wir bekommen einen Lagerraum für uns, in dem 12 Leute Platz finden können, insgesamt hat die Hütte eine Kapazität von 200 Personen, zur Not stehen noch Isomatten zur Verfügung, damit man auf dem Boden der großen Halle schlafen kann. Das sollte zwar eigentlich nicht vorkommen, da nur soviele Schlafplätze gebucht werden können, wie Lager zur Verfügung stehen und man sonst vor der Hütte campieren muß, aber wenn das Wetter schlecht wird, dürfen sich die Leute dann in die Hütte flüchten.
051Die TianShi-Hütte

Berghütten in Taiwan sind nicht mit den bewirtschafteten Hütten in den Alpen vergleichbar, man muß sein Essen und Kochgeräte normalerweise mitbringen. Auf der TianShi-Hütte bekommt man manchmal etwas zu essen, muß es jedoch vorbestellen. Wir haben nichts bekommen, da Mangels Nachfrage der „Wirt“ keine Lust hatte, aufzusteigen und zu kochen. Es seien zu wenig Leute unterwegs, hieß es. Wir haben von den beiden Jungs dann etwas heißes Wasser bekommen, mit dem wir unsere gefriergetrockneten Fertigmalzeiten angesetzt haben, sodaß wir den Gaskocher noch nicht auspacken mußten. Interessanterweise wurde dann eine andere Gruppe dann doch von ihnen und mit Hüttenmitteln bekocht (jede Menge Vorräte waren vorhanden). Taiwanesisches Chaos eben. Diese Gruppe -vermutlich Locals- hatte ein Kamerateam dabei, das eine Reportage über die Hütte und den Trail drehte, einer kramte dann noch eine Gitarre raus und so hatten wir auch noch etwas Hüttenzauber.

077Wolken umfließen den TianShi-Shan

Um 9 war Nachtruhe, die Ersten wollten um 4 Uhr in der Früh aufbrechen zu einer anstrengenden 6-Tagestour über den NenKao-Peak und eine Reihe weiterer Gipfel zurück in Richtung LuShan. Von einem der Locals erfahren wir, daß der Ostteil des Trails begehbar sei, er sei erst vor Kurzem dort unterwegs gewesen. Wir hatten widersprüchliche Informationen darüber, ob das möglich sei: Im Vorfeld war von allem die Rede: „absolut unpassierbar, verschütteter Tunnel“, bis hin zu „Straßenarbeiten, für Autos gesperrt,“ je, nachdem wen man gefragt (oder auch nicht gefragt hat: Forstbehörde in Taipei oder Nantou, Bergsportladenbesitzer in LinKou oder dessen Kundschaft). Im Endeffekt hatten wir von allem ein Bisschen.

062045Tag 4: Aufstehen um 5:30, kurz nach 7 Uhr ziehen wir endlich los: Wir haben ziemlich lange gebraucht, um unseren Tagesvorrat von ca. 2×3 Litern Wasser zu filtern. In dieser Höhe ist das eigentlich nicht notwendig, aber sicher ist sicher. Mit rebellierendem Magen oder Darm 2 Tagesmärsche von der Zivilisation entfernt zu sein, macht sicher wenig Spaß. Bis zum „Bring Licht zu den Menschen“-Monument, das an den Stromleitungsbau an dieser Stelle quer über die Insel erinnert (der NenKao-Trail wird unterhalten, damit man die Hochspannungsleitungen erreichen kann, die durch das Gebirge führen) ist der Weg in gutem Zustand. Hier verzweigt er sich in den Ostteil des Trails, einen Weg zum NenKao-Peak und in Richtung CiLai-Grat (zwei weitere lohnende Ziele für künftige Touren!).

Für uns beginnt der beschwerliche Teil des Weges. es geht relativ steil bergab, die Spur ist verwachsen mit wilden Rosen und Brennesseln und manchmal kaum erkennbar, bald sind meine Arme zerkratzt, ich sehe aus, als hätte ich mit einer Katze gerauft. Die taiwanesischen Brennesseln („Menschen-Beißer-Katze“) sind zwar nicht die Horrorgewächse, zu denen sie in manchen Reiseführern mutieren, aber sie brennen doch deutlich übler als die deutsche Variante. Vor allem auch in der Menge. Kaltes Wasser lindert den Schmerz etwas, dafür verteilt es die Reizstoffe über die Beine, sodaß sich diese bald (und für den Rest des Tages) anfühlten, als würde man andauernd mit Stecknadeln beschossen.
Unter der Pflanzendecke ist der Weg erodiert, sodaß man die Blöcke oft gar nicht sieht, über die man stolpert und rutscht. Es ist so ähnlich wie Rivertracing: Man muß mit den Füßen sehen, um sicher voranzukommen. Wir schaffen zunächst gerade mal 2km pro Stunde. Unsere Tagesetappe hat knapp 20. Der Weg schlängelt sich durch einen Wald mit riesengroße Zypressen, sie sind vermutlich über 1000 Jahre alt. Da sie nicht gerade gewachsen sind, haben die japanischen Besatzer diese Bäume stehen gelassen, als sie die Wälder hier geplündert haben. Wir überqueren kleinere Felsrutsche an Bachläufen, tasten uns über eine demolierte Hängebrücke. Der Weg ist hier in einem sehr schlechten Zustand, die Naturgewalten sind schneller im Zerstören als der Mensch im Reparieren. Schließlich zwingt uns eine Umleitung (sie existiert schon seit Langem) innerhalb kurzer Zeit wieder steil 150m in die Höhe. Es ist ein Kampf Stufe um Stufe in der Mittagshitze, die Rucksäcke sind voll und schwer. Gegen 14.30Uhr erreichen wir das Ende des eigentlichen NenKao Trails. Nun liegen über 30 km größtenteils unbefestigte Forststraße vor uns. Die bin ich bei meiner ersten Tour gefahren worden. Etwa 5km müssen wir jetzt noch weiter, unser Tagesziel liegt in der Nähe eines ca. 1.5km langen Tunnels, der durch den Berg getrieben worden war.

071An einer Stelle der Straße hat Erdrutsch eine fast 3m tiefe steile Rinne in unseren Weg gerissen, wir sind zunächst nicht sicher, ob wir da drüberkommen und stattdessen umkehren müssen. Dann packen wir es: Auf der Seite, auf der wir in den Graben hineinklettern, sind viele große Steine, die uns Halt bieten. Dann legen wir unsere schweren Rucksäcke ab, klettern ohne sie den feinen Schutt auf der steilen anderen Seite hinauf und ziehen das Gepäck mit einer Reepschnur nach.
Am Spätnachmittag erreichen wir unser Tagesziel: Einen verlassenen Stützpunkt der TaiPower-Company, ein häßlicher Betonklotz, ganz im Kontrast zu den Hütten, die wir bisher angetroffen haben, diese gehen noch auf die Japaner zurück, die den NenKao-Trail, der ursprünglich ein Verbindungsweg der Ureinwohner war, benutzt haben, um diese Menschen zu kontrollieren und zu unterdrücken. Als wir um die letzte Kurve biegen, werden wir erwartet: 3 Wissenschaftler der Forstbehörde haben uns kommen  hören und sind ziemlich überrascht, daß da wer vom Trail herunterkommt. Sie verbringen hier mehrere Tage mit dem Erfassen von Pflanzen und Tieren für populationsdynamische Studien und zeigen uns, wo wir Wasser bekommen und unser Zelt aufbauen können. Sie bieten uns an, in ihren Stützpunkt zu flüchten, sollte das Wetter schlecht werden. Das war nicht nötig, die Nacht war warm und klar und nach dem Untergang des Mondes war ein Sternenhimmel zu sehen, wie ich ihn noch nie zuvor gesehen habe: Es gab keine Stelle am Himmel, an der kein Stern gewesen wäre. Ich habe nicht Zelt geschlafen, einfach draußen im Schlafsack auf der Isomatte. Dazu unheimliche Geräusche aus dem Wald: Tutende Eulen und bellende Rehe (Muntjaks). In der näheren Umgebung habe ich große schwarz-gelb gestreifte Spinnen (Argiope aetheroides) gesehen und mehrere kleine Nester von wilden Bienen oder Wespen, welche an geschützte Stellen der Hauswand gebaut waren. Wir haben dort unser Gepäck abgestellt, die Tierchen haben sich durch uns nicht stören lassen. Und wir wurden auch nicht aufgefressen!

028Tag 5: Um 7Uhr brechen wir auf, heute wollen wir durch den langen Tunnel und raus aus dem Berg. Zunächst müssen wir weiter in den Taleinschnitt hinein. Die Flanke des TienChang-Berges auf der gegenüberliegenden Talseite, durch den der Tunnel führt, scheint auf der gesamten Länge mehr oder weniger abgerutscht zu sein. Auf unserer Karte ist dort ein Steig eingezeichnet, den man an manchen Stellen noch erahnen kann. Gehen kann man ihn sicher nicht mehr. Dafür gibt es jetzt den Tunnel. Wir überqueren eine Brücke aus rot lackierten Stahlträgern. Sie führt über einen Bach in vielleicht 10m Tiefe und muß vor Kurzem überschwemmt gewesen sein: Sand und Äste bedecken den Weg. Dann erreichen wir den stockfinsteren Tunnel, den wir mit eingeschalteten Stirnlampen betreten. Es gibt natürlich keine Beleuchtung. Es ist ein Loch, mehr als 1.5km lang und grob durch den Berg gesprengt, sodaß gerade ein VW-Bus hindurchfahren kann. Ein Schild gibt als maximale Abmessung für Fahrzeuge die Dimensionen 2.5m x 2.2m x 5.5m (Höhe x Breite x Länge) an. An Stellen, an denen der Fels zu locker ist, wurde mit Beton verstärkt. Als ich bei meiner NenKao-Tour im April bei strömendem Regen hier hindurchgefahren bin, kam das Wasser in Sturzbächen von der Decke.
036037Nach vielleicht 100m endet der Tunnel abrupt hinter einer Kurve. Wir sehen Licht und müsen einen Schutthaufen hinaufklettern. Ein Bergrutsch hat einen Teil des Tunnels mit sich gerissen, auf der anderen Seite sehen wir ein mit Stahlbeton armiertes Loch im Berg, aus dem die Eisen die Luft ragen. Dazwischen liegt eine frische Geröllhalde, die Verbindung ist notdürftig mit Eisenstangen und einem Seil gesichert. Über diesen Weg sind auch die Wissenschaftler gekommen, die wir gestern getroffen haben. Vorsichtig tasten wir uns hinüber und verschwinden im restlichen Kilometer der Dunkelheit.
Zur Mittagspause lädt uns ein Stützpunkt der Forstbehörde ein, an dem wir außer einem Hund niemanden antreffen. Es scheinen jedoch regelmäßig Menschen herzukommen, denn er hat genug zu fressen. Wir geben ihm Wasser aus der Leitung und rasten im Schatten eines Gebäudes. Schließlich erreichen wir am Ende der Bergstraße unser Tagesziel: Ein Wasserkraftwerk, das sich Ende einer wunderschönen Schlucht befindet, durch die wir morgen das Gebirge verlassen werden. Wieder ist kein Mensch zu sehen. In einem kleinen Park entdecken wir einen Schrein, in dem (vermutlich) TuDiGong, der Erdgott wohnt. Wir bitten ihn um Erlaubnis, an den Stufen unser Lager aufschlagen zu dürfen. Etwas Räucherwerk aus dem Tempelchen hilft, Mücken fernzuhalten. Wir revanchieren uns mit etwas Geld für dir Donation Box. Win-win für alle Beteiligten.

171Ein Motorrad kommt ins Tal. Als der Fahrer uns sieht, haben wir den Eindruck, er glaubt, er sähe Marsmännchen (nun, mit 2 Langnasen liegt er damit sicher nicht so ganz falsch). Es ist ein Angestellter von TaiPower, der im Wasserkraftwerk nach dem Rechten sieht, auf dem Weg zur Schichtablösung. Kurt erkundet die Gegend, neben dem Pförtnerhäuschen des Kraftwerksgeländes ist eine öffentliche Toilette, denn der Ort ist in der Karte als „Tourist-Spot“ markiert, vermutlich wegen der schönen Aussicht von der roten Stahlbrücke, die hier über die Schlucht führt (meistens sind Brücken hier rot angemalt, das sieht seht schön aus, finde ich). Das Örtchen hat ein Vordach, unter dem wir campieren könnten, falls das Wetter schlecht werden sollte (es wurde wieder nicht). Kurt kommt mit zwei Roselle-Eis-Sticks zurück (Lecker!), der nette Mensch von TaiPower hat sie ihm in die Hand gedrückt (er hatte den Schlüssel zur Eisbude, die hier normalerweise die Touristen versorgt, ich war schon enttäuscht, daß sie nicht offen hatte). Im Moment ist die Schlucht jedoch nicht für Touristen freigegeben, ein paar Erdrutsche sind noch nicht vollständig beseitigt, sodaß im Moment eigentlich fast niemand herkommt, der nicht hier sein soll.
Wir kochen unser Abendessen (gefriergetrocknete Reisgerichte, Tütennudelsuppe, Thunfisch aus der Dose) und haben uns gerade auf die Bänke in einem Pavillon zum Philosophieren gelegt, als wir unsanft durchgeschüttelt werden: Ein Erdbeben! Wir sind nur wenige km vom Epizentrum am Nordende des Rift Valleys entfernt. Nach wenigen Sekunden ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Es ist nichts passiert, in den Bergen hätte es durch Steinschlag ungemütlich werden können.
Mittlerweile ist es dunkel geworden. Ureinwohner von Stamm der Truku fahren mit Pritschenwagen auf die Jagd. Sie sind auf der Pirsch nach SongSu und FeiSu (BaumMäuse und FliegMäuse, sowas wie Eichhörnchen) und leuchten mit Taschenlampen in die Bäume. Manchmal fällt ein Schuß aus einer meist selbstgebauten Langflinte. Ich schlafe wieder unter freiem Himmel. Die Nacht ist klar und warm, leider stehen hier 3 Straßenlaternen, deren Licht den wunderschönen Sternenhimmel verdeckt.

061Tag 6: 5:30Uhr. Kreischend weckt mich ein Vogel im Tiefflug über meinen Kopf. Wir haben wieder wunderschönes sonniges Wetter. Wir räumen unser Lager, kochen Kaffee und frühstücken. Nachdem ich den Boden im Tempelchen gefegt habe, beginnen wir die letzte Etappe unserer Tour, der Weg führt uns auf der Teerstraße aus dem Tal. Wir überqueren die rote Brücke. Nach einer Kurve entdecken wir eine Dusche, leider zu spät: Von einem Felsvorsprung aus ergießt sich Wasser auf die Straße. Schade! Wir merken uns die Gelegenheit für ein Andermal und marschieren weiter. Ein Auto nähert sich und hält neben uns. Es sind die Wissenschaftler der Forstbehörde, die wir oben am Berg getroffen haben. Sie haben Platz und bieten uns an, uns mitzunehmen. Dankend lehnen wir ab, schließlich wollen wir auch die wenigen restlichen Kilometer zu Fuß gehen und die Schlucht ist einfach zu schön, um nur mal schnell hindurchzufahren. Außerdem hätten wir sonst noch Einiges versäumt! Bald stoßen auf ein paar Häuser und einen kleinen Laden. Ein Kind verschwinde scheu schell zwischen den Hütten. Wir haben uns natürlich seit fast einer Woche nicht rasiert und sehen bestimmt aus wie der Räuber Hotzenplotz! Ein alter Mann vom Stamm der Truku erscheint. Wir kaufen Getränke aus dem Kühlschrank, er bietet uns Stühle an, wir halten Smalltalk (Kurt spricht und übersetzt, ich höre zu). Eine angenehme Unterbrechung! Es geht weiter in der Mittagssonne, vorbei an mehreren Gärten und Behausungen. Nochmals kommen wir an einem Felssturz vorbei. Die Straße ist freigeräumt, aber in den Verbauungen liegen große Felsbrocken, die bestimmt bald herunterfallen werden. Deshalb ist die Straße noch gesperrt, normalerweise werden hier Ausflügler mit Bussen gefahren.

105Schließlich passieren wir einen Kontrollposten, an dem wir dem sichtlich erstaunten Polizisten (Woher kommt Ihr denn!? – Aus WuShe!) die zweite Ausfertigung unseres Permits in die Hand drücken und ihm Bilder des zerstörten Tunnels zeigen. Das hat er bestimmt noch nicht gesehen und jetzt kann er etwas erzählen! Kurz nach dem Polizeiposten kommen wir an einem weiteren Wasserkraftwerk vorbei und es gibt es nochmal Roselle-Eis (diesmal haben wir es bezahlt, bis hierhin kommen die Ausflügler, gucken über den Fluß in die Berge, essen ein Eis und fahren wieder heim). Taiwaner haben interessante Ausflugsziele, denn auch hier gibt es außer der Eisbude eigentlich nichts zu sehen (das Kraftwerk vielleicht). Ein paar hundert Meter weiter erreichen wir das Truku-Dorf SiouLin, wo wir auf den Bus nach HuaLien warten wollen. Der nächste geht erst in 3h, außerhalb der Mittagszeit kommt der Bus jede Stunde. Wir finden einen Laden, kaufen kaltes Wasser und machen es uns auf den Rat der Besitzerin in einer angenehm zugigen Ecke vor dem Haus bequem.

143Kurze Zeit später kommt ein Kleinbus und hält unweit von uns. Den Lärm, den sein Lautsprecher verbreitet, hört sich nervig nach Wahlwerbung an. Zwei junge Männer steigen aus und kommen mit einem Einkaufskorb auf uns zu. Sie sind von Stamm der Rukai, die südlich von den Truku leben. In ihrem Korb haben sie etwas Leckeres zum Essen: A’Bai, kleine Pakete aus Reis oder Hirse und Schweinefleisch, in mehrere Lagen Blätter eingewickelt und gedämpft. Natürlich greifen wir zu, die 100NT$ (2€) für 3 Stück sind gut angelegt. Die innere Blattlage kann man mitessen (es sind dieselben Blätter, in die man auch Betelnüsse einwickelt), die äußere ist die ökologische Verpackung. Bei den Rukai sind A’Bai eine Beilage bei Festlichkeiten. Die beiden erklären uns, daß sie seit Kurzem „A’Bai-King“, eine kleine Manufaktur, betreiben und wenn wir möchten, könnten sie uns zum Bahnhof in ZhiXue, 2 Stationen südlich von HuaLien, bringen, sobald sie mit ihrer Tour hier im Ort fertig sind.

145Diesmal nehmen wir dankend an und so fahren wir erst einmal am Karpfensee vorbei hinein in das Rift-Valley südlich von HuaLien (da, wo gestern abend das Erdbeben war).
In ZhiXue angekommen, dürfen wir die A’Bai-Werkstatt besichtigen, loben ehrlich die Qualität, und bei der Gelegenheit greifen wir natürlich noch einmal beherzt zu, denn die leckeren Teilchen kann man problemlos ungekühlt ein paar Stunden transportieren und in unseren Rucksäcken ist mittlerweile etwas Platz. Dann bringen sie uns zum Bahnhof und wir springen in den Zug nach HuaLien. Dort steigen wir um in den Ostküstenexpreß, einen nagelneuen Neigetechnik-Zug der Puyuma-Klasse, mit dem wir bis LuoDong fahren. Von dort geht es weiter mit dem Bus durch den neuen langen Tunnel nach Taipei (etwas kürzer und billiger als mit dem Zug, der eine längere Strecke fährt). Der Bus entläßt uns am TaiPower Building, irgendwie paßt das als Abschluß. Ich verabschiede mich von Kurt und mache mich auf zum MRT. Ich muß noch zur YuanShan-Station, zum Bus nach LinKou, und freue mich auf die Dusche.

Fotos habe ich natuerlich eine Menge gemacht! Hier sind sie, nach Tagen sortiert:

Tag 1:

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Tag 2:

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Tag 3:

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Tag 4:

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Tag 5:

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Tag 6:

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Ergänzendes:

Ein zweiteiliger TV-Beitrag über den NenKao-Trail findet sich hier: Westteil und Ostteil.

Legitur et altera pars: Hier ist Kurts Version dieser Geschichte zu lesen!

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[1] Eine ziemlich fürchterliche Prozedur, die nur online, nur auf Chinesisch, nur mit dem Internet-Explorer und nur auf einem Computer mit einem Taiwanischen Windows zu funktionieren scheint.  Viel Raum für Verbesserungen! Eine Freundin, die bei den Forstbehörden arbeitet, hat das dankenswerterweise für uns übernommen.

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Eine Antwort zu Unterwegs auf dem NenKao Trail – 6 Tage zu Fuß durch die Berge!

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