Das YiMin Fest der Hakka

175Die Hakka – weltweit gibt es ca. 60 Millionen – sind eine Volksgruppe (-> Wikipedia).  Sie haben ihre eigene Sprache und zB im Bus und in der UBahn (MRT) hier werden die Ansagen auch auf Hakka gemacht, da es in Taiwan eine sehr große Hakka-Gemeinde gibt.

Ihr wichtigstes Fest ist YiMin, bei dem sie ihre Ahnen verehren. Aus ganz Taiwan kamen etwa 40.000 Menschen im Hakka-Park in Taipeh zusammen, um gemeinsam zu feiern. Es war ein richtiger Karneval, mit bunten Kostümen und vielen Darbietungen. Aber nicht in erster Linie für die Zuschauer, die sehr herzlich willkommen waren, sondern für die Vorfahren, die in einem eigens aufgebauten Tempel durch die „YiMinYe“, die Könige der Gerechten, repräsentiert wurden. Ich glaube, ich habe noch nie Menschen gesehen, die mit soviel Freude und Eifer bei der Sache waren.

008Für uns war das Ganze mal wieder sehr kurzfristig: Wir hatten uns am Freitag abend mit Freunden getroffen, um nach dem gemeinsamen Abendessen den wunderschön beleuchteten Hakka-Park zu bestaunen. Dabei haben wir dann vom YiMin-Fest erfahren und sind dann natürlich am Samstag in aller Herrgottsfrühe aufgestanden und hingefahren. Und am Sonntag noch einmal. Es war leider wieder mal nix mit dem langersehnten Ausschlafen, aber die Aktion hat sich absolut gelohnt (auch mal wieder).

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Priester

Auch Herr Ma, der derzeitige Regierungschef, hat vorbeigeschaut und eine Ansprache gehalten. Er hat selbst Hakka-Vorfahren. Deshalb war am Sonntag Vormittag alles voll mit Security und man konnte ohne Ausweis nicht überall hin, aber trotzdem durften wir ganz nah ran und standen meistens irgendwo zwischen den Sicherheitsleuten. Sonst waren wir wirklich mittendrin statt nur dabei: Ich habe mich einfach zwischen die anderen Fotografen gemischt und direkt unterhalb (und machmal auch auf) der Bühne fotografieren und filmen dürfen. Mittlerweile hab ich mich einigermaßen durch ca. 500 Fotos und etwa 8 Stunden Video gewühlt. sodaß ich endlich mal was hier publizieren kann.

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Sänfte mit einem YiMinYe drinnen

Der Film über den Festzug und die Feierlichkeiten braucht aber noch etwas. Vermutlich wird sich niemand einen 6h-Marathon durch das noch nicht verarbeitete  Material antun (das kommt davon, wenn man sein Schlautelefon mit einer 64GBytes-Karte bestückt und eine 20Ah-Powerbank zum Nachladen mitschleppt), so muß ich das erst auswählen und schneiden…

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ShenDzu – „Götter-Schwein“

Und dann muß ich noch die ShenDzu, die Götter-Schweine, erklären: Von ihnen werden auf Altären die Haut, mit Kopf dran und einer Ananas im Maul, auf einem Metallrahmen aufgespannt und dargestellt. Die möglicherweise armen Schweine werden das Jahr über gemästet, erreichen ein Gewicht von 800-900kg, und wer das schwerste (Glücks-?)schwein hat, gewinnt und ihm sind Glück und Wohlstand verheißen. Die Schweine sind eigentlich schwarz und werden bis auf einen Streifen in der Mitte rasiert. Man sollte hierzu vielleicht noch wissen,daß die Hakka früher andauernd auf der Flucht vor irgendwem waren und deshalb meistens recht wenig zu Essen hatten.

Dann gab es  auch noch Hakka-Oper (mit chinesischen Nebentiteln) und abends Konzerte.

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Der Film mit den religösen Zeremonien. Gezeigt ist die Aktivität der Priester, dann der Einzug der YiMinYe (repräsentiert durch Tafeln und Figuren). Besonders schön fand ich die Ansprache, die das Mädchen an die YiMinYe hielt (ab ca. 21min). Dazwischen auch immer wieder künstlerische Darbietungen für die Ahnen und Helden.

Traditionelle Hakka-VolksMusik, vermutlich sowas wie Gstanzl’n (wenn ich jemanden finde, der das versteht und übersetzen kann, schreibe ich mehr dazu). Im Hintergrund ist ab und zu ein Mann mit einem blau-roten Hut zu sehen, das ist SanSuGong, mit bürgerlichem Namen LinBinHuang, ein (der?) großer Lehrer und Meister dieser Musik.

Und noch ein Film: Ein Hakka-Orchester aus Taipei. Die Truppe gibt es erst seit einem halben Jahr, darum klingt es ab und zu noch etwas holprig. Sie spielten auf dem freien Platz vor den aufgespannten Schweinehäuten, ohne daß es einen inhaltlichen Zusammenhang (außer dem YiMin-Fest) gegeben hätte. Später gibts dann auch noch Gesang. Markantes Blasinstrument ist die SuoNa: Sie ist aus Holz und hat ein Rohrblattmundstück. Der Metalltrichter vorne (meistens aus Messing) ist nicht befestigt, sodaß man das Instrument beim Spielen nach unten halten muß, damit einem das Teil nicht auf die Nase plumpst. Die zweiseitige Kniegeige ist sowas wie eine ErHu, sie hat jedoch einen anderen Resonanzkörper, eine mit Haut bespannte Kokosnussschale. Und dann gibt es auch noch so vertraute Instrumente wie zB. ein Hackbrett. Das globale Dorf scheint es schon vor der Erfindung des Internets gegeben zu haben…

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