水漾森林 – ShuiYang SenLin – Der versunkene Wald

050Edit (2017Oct22): Camping am See ist nun unter Strafandrohung verboten, da vor Kurzem ein Baum umgestürzt ist und mehrere Wanderer verletzt hat.  😦
Das neueste Abenteuer der Taiwan Trail Sqeezers (R)! Der ShuiYang-See befindet sich in Zentraltaiwan, im Landkreis NanTou. Er entstand 1999 infolge des furchtbaren Erdbebens von ChiChi: Ein Bergsturz bildete einen Damm, der einen Bach aufstaute. Die Zypressen, welche dort wuchsen, ertranken, ihre Skelette ragen nun in den Himmel. Ein anstrengender Zweitagesmarsch. Von TaiPei aus dauert die Tour mit Anfahrt 3 Tage.

Mit dem Bus von TaiPei nach TaiChung (2h), dann nach ShanLinXi (3h). Das erste Zeltlager schlugen wir [1] nach einer halben Stunde Wanderung an einer Forststraße im Wald auf, kurz bevor die Wegvariante zum See über den Mt LuJhu (鹿屈山) beginnt. Um 18:00 Uhr war es bereits stockfinster und wir rollten uns bald in die Schlafsäcke, draußen wurde es bitterkalt, eine Kältewelle war angesagt (soviel zum Thema „tropische Insel“).  Später in der Nacht besuchten uns neugierige wilde Hunde. Sie heulten schaurig, blieben jedoch friedlich und irgendwann verloren sie ihr Interesse an uns und unserem Zeltlager.

auf dem LuJhu Berg

auf dem LuJhu Berg

Am nächsten Morgen brachen wir um 8:00 auf zum Mt. LuJhu und passierten nach 2h den Vorgipfel. Wenige Meter vor dem Hauptgipfel (eigentlich ein Schild mitten im Wald: „Sie sind jetzt oben“), den wir um 10:30 Uhr erreichten, zweigt ein gut gekennzeichneter Weg (aber nirgends steht, wo er hinführt) nach links ab, den wir 2h lang erkundeten. Es ging bergab durch einen Märchenwald und später an einem Bach entlang durch eine sagenhafte Landschaft. Nach 2h machten wir kehrt, da wir erkannten, daß dies nicht der Weg zum See ist, nach dem wir gesucht hatten (hier könnte jetzt auch stehen, daß wir uns verlaufen hatten…) Er führt stattdessen vermutlich zum ALiShan, eine Tour, die 3-4 Tage dauert. Wir sahen Fußabdrücke eines Taiwan-Schwarzbären (Ursus thibetanus formosana) -es gibt etwa 220 davon- und hörten ihn vermutlich auch im Unterholz grummeln. Vielleicht wars auch eine Taiwanische Grummelente (Susur grawulensis formosana), wir sind uns da nicht ganz sicher. Den Mt. LuJhu erreichten wir wieder um 16:30 und fanden – auf einer Lichtung, etwas abseits von unserem Weg – nun den richtigen Pfad zum ShuiYang See, 10 Minuten zurück in Richtung des Vorgipfels, ebenfalls nach Osten abzweigend, und ebenfalls nicht ausgeschildert, nur markiert. Aus dem herumliegenden Müll schlossen wir, daß dies aber nun der richtige Weg sein müsse. In der Nähe fanden wir schließlich auch einen vergammeltes loses Schild mit einem Pfeil drauf, auf ihm stand „ShuiYang“ drauf und wir konnten es in die Richtung zeigen lassen, die uns lieb war.

Nach etwa 30 Minuten Abstieg durch den Wald erreichten wir den „Normalweg“ und bogen nach rechts in Richtung See ab.  An einer Abzweigung wies uns ein Schild den Weg zum Anfang des Sees (da, wo das Wasser reinfließt), den wir schließlich gegen 19 Uhr in völliger Dunkelheit nach mehreren Kletterpartien über Felsstufen und Wurzelwerk im Licht unserer Stirnlampen erreichten.

unser Camp am See

unser Camp am See

Die Nacht war klar und sehr kalt (die Schneefallgrenze war auf dem Weg unter die 2000 Metermarke), am nächsten Morgen waren unsere Zelte von der feuchten Luft patschnass. Wir erkundeten den See und die faszinierende gespenstische Landschaft und machten uns um 10 Uhr auf den Rückweg auf dem Normalweg. Den angepeilten Bus um 13:50 Uhr zurück nach TaiChung verpaßten wir um 1 Minute, einer um 10 Minuten nachgehenden Digitaluhr im Park sei Dank. So warteten wir halt auf den nächsten (und letzten) um 16:30 Uhr. Glücklicherweise war es sonnig, bis diese hinter den Bergen verschwand und schlagartig Nebel und Kälte einzogen.

Zurück in TaiChung waren wir drei die letzten verbleibenden Fahrgäste im Bus. Wir hatten angenommen, daß wir genauso problemlos in den Bus zurück nach TaiPei umsteigen könnten, wie das auf dem Hinweg geklappt hatte. Leider war es nicht so. Der Busfahrer hat sich aber rührend um uns gekümmert, einen Umweg gemacht und uns an einem geeigneten Busterminal abgesetzt.

Anmerkungen (1): Der Weg hat mehrere felsige und steile Abschnitte, manchmal mit und manchmal ohne ‚Fixseile‘. Man sollte mit Touren wie dem HuangDiDian oder dem WuLiaoJian vertraut sein, bevor man diese Wanderung in Angriff nimmt. Die Angaben zu den Wegstrecken und der jeweils dafür benötigten Zeit, die man so im Netz findet, sind mit Vorsicht zu genießen. Der Trail beginnt offiziell in der Mitte von Nirgendwo und bis man da vom Informationszentrum in SanLinXi, wo die Bushaltestelle ist, hinkommt, braucht man bereits fast 2h.

Der Eintritt in den Park kostet 200NT (5€), das Geld wird einem gleich im Bus abgeknöpft. Die Busfahrt von TaiChung nach SanLinXi kostet 296 NT (7.50€) und kann auch mittels (entsprechend aufgeladener) EasyCard bezahlt werden. Die Strecke Taipei-TaiChung schlägt mit 220NT zu Buche.

Eisenbakterien

Eisenbakterien

Auf dem Weg über den Mt. LuJhu gibt es keine Wasserstellen. Das Wasser im See ist ziemlich trübe aufgrund von Algen und Bakterien, man sollte es abkochen oder filtrieren. Auf dem Normalweg fanden wir 2 Rinnsale vor, aus denen man seine Trinkwasservorräte nachfüllen kann. Eine „LifeStraw“-Filter-Trinkflasche oder Vergleichbares ist sicher eine gute Investition. Im Wasser im Bach auf dem Weg zum ALiShan wachsen ebenfalls an vielen Stellen bunte Algen und Bakterien. Ich habe an Stellen, an denen Kaulquappen im Wasser waren, meine Vorräte aufgefüllt, in der Vermutung, daß das Wasser dort genießbar sei. Das Wasser ist an vielen Stellen sehr mineralhaltig aufgrund der nicht lange zurückliegenden tektonischen Veränderungen.

Anmerkungen (2): Von TaiPei aus könnte es eine Abkürzung nach SanLinXi geben: Der Bus hielt in Nantou an einem Busterminal (unter einem Carrefour-Supermarkt), von dem aus eine Busverbindung nach TaiPei besteht (KuoKuan Busgesellschaft).

[1] Nadja, Geologin aus der Schweiz, Michael, Doktorand aus Polen und meine Wenigkeit. Zusammengefunden und organisiert haben wir uns über die Taipei Hikers.

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