Der ALangYi Trail

125Tag 2 eines wunderschönen Wochenendes an der Südostspitze Taiwans: Hier sollte eigentlich mal eine Küstenstraße gebaut werden (die hier sicher niemand braucht und vermutlich auch nie brauchen wird – außer der Bauindustrie vielleicht.  Wenn schon ein verrücktes Projekt sein muß, dann doch bitte lieber zB einen BeiDaWuShan-Basistunnel) und so ist hier einer der wenigen Abschnitte der Küste Taiwans, der nicht durch einen Verkehrsweg verschandelt geschändet wurde. Wir durften hier die wunderschöne und auch geologisch sehr interessante Landschaft mit unseren eigenen Sinnen erkunden und erfahren!

002Um 5 versucht die aufgehende Sonne eher vergeblich uns zu wecken, etwas später gelingt das dann aber dem morgendlichen Bad im Pazifischen Ozean. Wir treffen unseren Guide – er ist vom Stamm der Bunun – an der Polizeistation von 旭海 (SyuHai). Einer der Polizisten dort trägt eine Kette mit einem Wildschweinhauer  um den Hals, wir treffen ihn etwas später bei der Permitkontrolle wieder. Der Trail führt uns durch tropischen Wald und entlang der Steilküste nach Norden (wir gehen mal wieder entgegen der Normalrichtung).

105Der Guide freut sich über unser Interesse an den Pflanzen und Tieren und erklärt uns gerne, welche Pflanzen man essen kann, welche giftig sind und um welche man am besten einen riesengroßen Bogen macht, da eine Berührung schmerzhafte Folgen hat (der Hundebeißbaum zB, das südtaiwanische Äquivalent zur Menschenbeißkatze, mit der ich auf dem NengGao Trail sehr intensiv Bekanntschaft gemacht habe). Ich frage ihn, ob es auch Pflanzen gäbe, mit denen man kleinere Verletzungen behandeln kann und zeige ihm meinen Finger mit einem seit Tagen entzündeten Kratzer, der sich seit gestern stark verschlimmert hat. Daraufhin packt er erst mal sein Verbandszeug aus und ich bekomme einen Iodpatch, den ich eigentlich gar nicht will,  aber ich müsse das jetzt nehmen, denn wir hätten schließlich für die Führung bezahlt und das gehöre dazu und er freut sich auch sichtlich, daß er endlich mal sein Verbandszeug anwenden darf, das er andauernd mit sich rumschleppen muß. Dann zeigt er mir auch ein Ingwergewächs, das man zur Wundbehandlung verwenden kann, wenn man grade keinen Verbandskasten zur Hand hat. Zumindest hat das Iodpflaster gewirkt, ich hab mir dann selber welche gekauft und nochmal einen Tag lang eines draufgeklebt. Die Infektion ist weg, jetzt ist mein Finger dunkelbraun und mittlerweile geht dort die Haut ab. War wohl etwas holzhammermäßig und vermutlich nicht ganz im Sinne eines Wunddesinfektionswischtüchleins.

066Wir sehen „Meermangos“ (SeaMango, AKA DogBane, also HundsTod), deren Früchte manche Mitmenschen mit Mangos verwechseln. Meistens nur 1x, denn die Pflanze ist ähnlich giftig wie der Fingerhut und hat -im Gegensatz zu Mangos- wunderschöne oleanderartige Blüten (ist auch mit diesem verwandt, wie auch zB mit Plumeria).

079Wir sehen ein Loch in der Böschung, zu dem kleine Fußspuren hinführen. Hier wohnt vermutlich ein Pangolin (das man aber nur nachts zu Gesicht bekommt). Ein ziemlich zerkratzter und zerfetzter Baumrest in Nachbarschaft unterstützt unsere Hypothese. Eine Eidechse mit gelben Flanken läßt sich eine Zeitlang beobachten, bevor sie dann doch das Weite sucht.

Weiter geht es über einen tektonischen Bruch, dann lange entlang der Küste über den Strand mit handtellergroßen flachgeschliffenen Kieselsteinen. Angelegte Treppenstufen führen ca. 100hm nach oben, durch einen Wald, in dem wir rasten und später wieder hinab zum Meer. Mehrere Gruppen einheimischer Wanderer begegnen uns.

Taiwanesische Wanderverkleidung

Taiwanesische Wanderverkleidung

Bald erreichen wir das Ende des Trails. Nach einer weiteren kurzen Rast, ich probiere einen hausgemachten eiskalten Kräutertee, der dort an einem Unterstand verkauft wird (ziemlich bitter, aber angeblich gut für die Leber), bringen uns user Guide und ein weiterer Fahrer zurück zum Trailhead. Dort gibt es das wohlverdiente Mittagessen mit lokalen Köstlichkeiten (Muscheln, Hummer etc.) und dann machen wir uns auch schon auf den Rückweg nach KaoHsiung, wir müssen dort unsere Mietautos abgeben und den HSR oder Bus zurück nach Norden ergattern. Ich bekomme gerade noch einen Platz im vorletzten Bus (der dann trotzdem nicht voll ist, aber mit 520 NT (ca. 14 €) weniger 1/3 des HSR-Tickets kostet und das eventuell notwendige Taxi spätabends von Taipei nach LinKou erspart (600+NT)) und schlage gegen Mitternacht wieder in LinKou auf, ein lokales Taxi (150NT) bringt mich durch den warmen Regen nach Hause.

Ich habe natürlich eine Menge Fotos gemacht:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Und es gibt natürlich auch wieder ein Video (das wieder mal Ihre Arbeitsmoral gefährden dürfte!)

Weiterführende Informationen:

  • Ein Artikel in der TaipeiTimes vom 19. Januar 2012 über die Ausrufung des Schutzgebiets
  • Ein Beitrag über das Schutzgebiet von Pina Wu, Professorin für Umweltplanung in Taipei.

Praktisches: Eine technisch leichte Tagestour (5-6h Gehzeit) mit nicht zu unterschätzendem organisatorischen Aufwand für Permit + Guide und ggf. Rücktransport zum Startpunkt (ca. 600NT pp bei einer Gruppenstärke von 12)! Feste Schuhe, Sonnenschutz, Verpflegung sowie mehrere Liter Flüssigkeit werden benötigt. Auf dem Trail gibt es kein Trinkwasser, bei ca. 2/3 des Weges in Süd-Nord-Richtung gibt es einen kleinen Bach, dessen Wasser man evtl. filtern kann.

Entfernung zur Zivilisation (KaoHsiung, PingTung, TaiTung) jeweils ca. 3h mit dem Auto. SyuHai hat eine Busverbindung.

Ohne Permit (kontingentiert und im Voraus zu beantragen) und obligatorischem Guide riskiert man minimalst die Verweigerung des Zutritts (Kontrollposten am Ein- und Ausgang), zumindest auf dem Papier existieren saftige Geldstrafen (30.000NT$/750 Euro aufwärts), wenn man im Schutzgebiet ohne Genehmigung angetroffen wird.

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