Rivertracing in verdünnter Schwefelsäure

001Den Shang Huang Xi rauf, auf chinesisch 上磺溪. Man gönnt sich ja sonst nichts…
Der Shang Huang Xi hat ziemlich sauer und metallisch geschmeckt und auch etwas in den Augen gebrannt, vor allem wenn so ein Blödmann wie ich seine Augen unter Wasser aufmacht.

In eine meiner ZipLock Plastiktüten (in denen man normalerweise zB sein Geld, Handy etc. beim Rivertracen vor verdünnter Schwefelsäure – oder auch manchmal einfach nur dem Wasser – schützt) hatte sich etwas Flußwasser verirrt. Zuhause habe ich das dann mal gleich mit meinem pH-Meter vermessen. Ergbnis: pH4, also schon ordentlich sauer. Fast wie Salatsoße!

Der Shang Huang Xi liegt an der Nordostflanke des Yang Ming Shan, unseres aktiven Vulkans, dessen heiße Quellen wir alle schätzen und dessen Fumarolen wir lieben. Getroffen haben wir uns morgens um zivilen 8.45 Uhr am Bahnhof in Taipei, um mit dem 1717 Bus um 9 in den Yang Ming Shan zu fahren, bis ein paar Stationen hinter Ba Yuan, wo es eine sehr schöne heiße Quelle gibt. Das Flußbett ist sehr beeindruckend: Wenn man sich das Wasser und die Vegetation wegdenkt, ähnelt es einer Marslandschaft, die Steine sind von einer rostähnlichen Substanz überzogen. Die Luft riecht nach Schwefelgasen, das Wasser ist trübe und man wirbelt mit fast jedem Schritt bräunlichen Schlamm auf: Eisenoxide.

Im Wasser ist außer Bakterien kaum Leben zu finden: Ein paar intensiv grüne Algen ab und zu, wir haben auf unserer ganzen Tour (im Gegensatz zu sonst) keinen einzigen Fisch, Krebs oder eine Garnele gesehen. Am Wasser haben ein paar handtellergroße Spinnen gejagt, auch haben wir Zikaden, Grashüpfer und Mantiden im Wasser gefunden. Diese waren aber eher vermutlich froh darüber, daß wir sie rausgefischt und ins Trockene gebracht haben.

Der Shang Huang Xi ändert seinen Charakter mehrmals völlig: Erst oxidüberzogene Blöcke im Flußbett, dann enge Schluchten mit klarem Wasser, mal ganz wild, dann wieder zahm.

Die Crux ist ein Wasserfall, der zwar nur ca. 2m Höhendifferenz hat, aber aufgrund der glatten Steine und praktisch nichtexistenten Griffe und Tritte kaum zu bezwingen ist. Will hat es glücklicherweise ohne fremde Hilfe geschafft und konnte ein Seil reinlegen, das die Kletterei unheimlich erleichterte, sodaß wir mit viel Teamwork und zupackenden Händen alle hinaufkamen. Nach dem Wasserfall (der das eigentliche Ende des trace  darstellt) haben wir den Fluß noch etwas erkundet, bevor wir dann umgekehrt sind. Es dürfte sich lohnen, mal ganz früh am Morgen anzufangen und den oberen Teil zu erforschen, um zu sehen, wo man dann rauskommt.

Der Ausstieg aus dem Flußbett war etwas schwierig zu finden, es ging dann auf einem Pfad steil bergauf durch aufgegebene terrassierte Gärten und schließlich erreichten wir BaYuan. An den dortigen Fumarolen war die gesamte Vegetation verbrannt, vermutlich hatte jemand die wilde Müllkippe dort angezündet. Zur Belohnung gönnten wir uns Sars und Taiwan Beer. Der Bus brachte uns zurück nach Taipei.

Ihr wollt wissen, wie wir diese tollen Touren finden? Meistens per MundZuMundPropaganda. Manchmal auch in Richards Blog. Richard ist DIE Autoritaet fuer ordentliche Wanderungen hier, er schreibt Wanderfuehrer und steckt hinter TaipeiHikers (wir muessen manchmal als Versuchskaninchen bei den Studien fuer das naechste Buch herhalten….)

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Mein Filmchen:

Und es gibt mehr Videos:

von ShaiNa

von Florian

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