Banged up on A Li Bang – 阿里磅

Schon wieder ein richtiges Abenteuer. Und das direkt vor den Toren Taipeis: Rivertracing und etwas unfreiwilliges Bushwhacking – in 3h rauf, in 6h runter. Letzteres natürlich im Finstern.

017. November. Kaiserwetter, fast 30°C. Das Taxi bringt uns von JinShan (金山, Goldberg) zur ZhuLi Er Jiao (竹里二橋), der 2. Bambusdorfbrücke. Wir rödeln wieder auf: Neoprenanzug, Kletterausrüstung, Helm und die berüchtigten Filzlatschen. Den A Li Bang Xi wollen wir hinauf zu einem der höchsten Wasserfälle Taiwans. 3 Stunden Blockkletterei und 400 hm Aufstieg im Flußbett folgen.

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Am (zwischen-)Ziel: Der Wasserfall

Dann gehts ab in den Wald, den Rückweg finden: Rechts vom Wasserfall führt uns ein steiler Pfad zunächst weiter nach oben. Der Weg verzweigt sich, ein kleines Schild zeigt einen Steig zur oberen Kante des Wasserfalls an, wir lassen ihn links liegen. 2h später, wir sind immer noch auf der Höhe, endet unser Trail im Nichts: keine Markierung mehr weit und breit ist zu finden, alles ist überwachsen, wir kommen kaum mehr voran. Nebel zieht auf. Es dämmert inzwischen. Umkehren macht jetzt eher weniger Sinn. Als wir zufällig mal ein Funknetz haben (aber nur für Daten, interessanterweise), setzen wir sicherheitshalber eine Meldung ab mit unseren aktuellen Koordinaten und daß wir heute abend es wohl nicht mehr zurück bis Taipei schaffen werden. Nicht, daß man noch Suchtrupps losschickt. Keine Panik, wir haben alles im Griff.

006Wir stellen uns moralisch darauf ein, biwakieren zu müssen und brauchen langsam Trinkwasser. Mit GPS, Karte und im Licht der Stirnlampen schlagen wir uns durch Gestrüpp und Dornen zu einem Gebirgsbach durch. Der heißt auch A Li Bang und wird sich unterhalb der ZhuLinErJiao mit dem ersten A Li Bang treffen. Bushwhacking heißt das treffend auf Englisch. Die Tauchanzüge schützen uns vor Kratzern und Schrammen im Urwald, auch ohne Weg kommen wir erstaunlich gut voran. Zweimal begegnen wir Bambusvipern, die sich aber für uns kaum interessieren. Eine von ihnen zischt uns dann doch an, als wir sie mit gehörigem Respekt und Abstand passieren, könnte ja jeder daherkommen und Schlangen bei der Nachtruhe stören.

Kletternd arbeiten wir uns den unbekannten Bach hinunter: Nachtabseilen heißt der Spaß, Dory, Alastair und ich sind ein eingespieltes Team. Auf einem Ast, der über einen Pool ragt, sitzt ein Eisvogel: Er fliegt nicht weg als wir ihm im im Schein der Stirnlampen bis auf wenige Zentimeter nahekommen, ich könnte in vermutlich pflücken (lasse das aber, der Kleine bekommt womöglich noch einen Herzinfarkt vor Angst. Den Rest der Nacht tut er sicher eh kein Auge mehr zu nach dieser unheimlichen Begegnung). Um 21 Uhr sind wir endlich unten an der Straße. Ein Auto hält an und fragt, ob man uns (die nassen und eingedreckten Außerirdischen mit Taucheranzug, Helm, Stirnlampe, Rucksack und Klettergurt) mitnehmen könne. Wir lehnen dankend ab, so eingesaut wie wir sind, bitten den Fahrer jedoch, unser Taxi zu rufen, sobald er Empfang hat. Daraus wurde nichts. Der Taxler war schon in seiner Samstagabendruhe und ging nicht mehr ans Telefon. Wir habens später selbst probiert. Zurück an der Bambusbrücke No. 2 wechseln wir erst mal in die zivilen Klamotten, die wir dort versteckt haben. Wenn der Taxifahrer keine Lust mehr hat, laufen wir eben, es sind nur 5km. Kein Problem, es it warm.

Im nächsten Dorf kommt uns ein Ehepaar auf dem Mofa entgegen. Sie würden uns ja gerne nach JinShan ins Tal fahren, hätten aber leider zuviel getrunken… Eine knappe Viertelstunde später überholt uns ein Auto: Der Vater hat seinen (nüchternen) Sohn verpflichtet, die drei Angefressenen zu chauffieren. Auf dem Land sind die Menschen von einem ganz anderen Schlag als in der hektischen Großstadt. Dankend (und auch ein Bisschen froh) nehmen wir die Einladung an, soviel Hilfsbereitschaft abzulehnen wäre mehr als unhöflich.

Um 22.30 kommen wir schließlich in JinShan an, der letzte Bus nach Taipei ist schon weg. Jetzt mit dem Taxi dorthin zu fahren lohnt auch nicht mehr, zumal ich von dort auch nict mehr nach Hause komme, ohne ein weiteres Taxi zu nehmen. Wir futtern uns erst mal bei MacDoof durch (glücklicherweise haben Alastair und Dory eine Ahnung, wie man dort Essen bestellt ohne das Personal völlig zu verwirren und ich komme so zu meinem jährlichen Zwangsbesuch). Anschließend finden wir ein preiswertes Hotelzimmer, sogar mit SPA-Badewanne. Das angebliche Hot-Spring-Wasser schmeckt ziemlich metallisch, ist aber gut gegen den kommenden Muskelkater.

Gute Nacht allerseits!

Alastairs GPS-Tracks öffnen sich in einem neuen Fenster

Der Weg zum Wasserfall

Der Weg zurück

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Mein Video vom A Li Bang – Trace. Die Musik kann man gerne abstellen, wenn man Dramatik nicht braucht.

Praktisches: Von der Taipei West Bus Station B (am Bahnhof) fahren Busse an KeeLung vorbei nach JinShan. Man kann auch von TamShui MRT einen Bus entlang der Nordküste nehmen. Dann weiter mit dem Taxi. Der A Li Bang scheint bekannt zu sein, nicht jedoch die Brücke, man muß sich evtl. durchfragen.

Der AliBang Rivertrace ist nur für wirklich Geübte mit Klettererfahrung geeignet. Bereits der Aufstieg ist sehr anstrengend. Entsprechende Ausrüstung (Helm, ggf Neoprenanzug, Rivertracing-Shuhe, Klettergurt, >40m-Seil, Abseilausrüstung) ist absolut notwendig. Stirnlampen und GPS dringend empfehlenswert, ebenso Wasserfilter, und zusätzliche Batterien/Powerpacks. Der Trail für den Rückweg ist schlecht zu finden (keine offizielle Markierung, nur verschiedenfarbige, von einzelnen Wandergruppen – vermutlich vor Jahren – angebrachte Fähnchen), zT stark überwachsen und zT nicht mehr erkennbar. In weiten Teilen überhaupt kein Mobilfunkempfang, sonst nur ChungHwa Telekom. Alternative für den Rückweg: Den A Li Bang ab dem Wasserfall zurück zur Straße tracen.

Hier noch ein Link zur ALiBang-Wanderung von Tony Huang. Tony hat die wohl umfassendste Sammlung von Wandervorschlägen in Taiwan veröffentlicht.

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