Canyoning: ShanYangDong – 山羊洞

ALiBang und MaSuXi waren gemütliche Ausflüge gewesen. Diesmal wurde es etwas härter:

33AJ konnte sich nach einer Woche Zwangsaufenthalt in einem fensterlosen Klinikzimmer schon gar nicht mehr ruhig halten und der Jahrhundert-Taifun Nepartak hatte einen großen Bogen um den Norden unserer formosen Insel gemacht. Also nix wie raus und los! Eine großartige Landschaft, jede Menge Wasser und 12 (oder so, wir haben nicht wirklich mitgezählt)  Abseilstrecken bis etwa 50 Meter in die Tiefe warteten auf uns (AJ, 醋黃瓜 [CùHuángGuā, Saure Gurke], Justin, der mal schnell eben aus den USA für ein paar Tage rübergekommen war und meine Wenigkeit). Der letzte Rappel natürlich wieder im Finstern. Wozu hat man sonst Stirnlampen dabei?

01MRT und Bus bringen uns über XinDian nach WuLai. Dort futtern wir noch schnell einen leckeren CongYouBing, einen Zwiebel-Pfannkuchen, als zweites Frühstück. Ein Taxi bringt uns zu einem unscheinbaren, nicht markierten Pfad am Dorfrand von FuShan. Zwei Stunden steiler und schweißtreibender Aufstieg mit voller Ausrüstung und einer Menge Material durch den schwülheißen Urwald folgen. Ich bin mittlerweile ziemlich aus der Puste und überlege mir schon, wieder umzukehren, aber dann wird der Weg endlich einfacher und flacher, als wir die Reste einer aufgegebenen und von Erdrutschen in arge Mitleidenschaft gezogenen Straße erreichen. Sie führt uns zum Einstieg in den Canyon des ShanYangDong.

Dann gehts auch schon rein in den Bach und selbigen runter, die nächsten 8 Stunden lang. Wir  befestigen wir unsere Seile an Bäumen, und wenn die 60m, die wir dabei haben, zu kurz sind, um am Doppelstrang runterzukommen, wenden wir einen Spezialknoten an: Er erlaubt es, die volle Länge des Seils auszunützen, und, wenn alle unten sind, wird der Knoten durch Ziehen am Seil gelöst, nachdem man einen Blockierstift mittels einer Reißleine herausgezogen hat. Für den Letzten im Team, der natürlich die Sicherung der Blockierung aus dieser Konstruktion entfernen muß, bevor er runtergeht, ist das nicht ganz ungefährlich. Deshalb hat die zuvor sorgfältig verlegte Reißleine auch eine andere Farbe, daß man sie nicht versehentlich anfaßt.

10Es beginnt heftig zu regnen, bei den tropischen Temperaturen ist das jedoch eher jedoch ein abkühlender Segen, patschnaß sind wir sowieso schon, außer daß nun die Gefahr besteht, daß das Wasser im Bach ungemütlich ansteigen könnte. Der ShanYangDong hat jedoch kein so großes Einzugsgebiet, daß bei normalen Regenfällen Sturzfluten zu erwarten wären, darum haben wir ihn uns rausgesucht aufgrund der bereits niederschlagsreichen vergangenen Tage. Der deshalb relativ hohe Wasserspiegel (normalerweise ist der Bach eher ein Rinnsaal) beschert uns jedoch mehrere spannende Abseilstrecken, die man bei weniger Wasser auch einfach abklettern kann. Ein paar Mal werden wir dann auch richtig durchgewaschen, als wir mitten in einem Wasserfäll abseilen müssen, weil man Rand nicht runterkann (bzw. weil es gar keinen trockenen Rand in der Klamm gibt).

Inzwischen ist es auch noch dunkel geworden: Die letzte Steilwand nehmen wir im Licht unserer Stirnlampen, bevor wir uns schließlich durch den Wald an einer Pfadspur entlang von Wasserleitungen zur Straße vorarbeiten. Erschöpft wechseln wir in die trockenen Klamotten aus unseren wasserdichten Rucksäcken. Bald ist unser inzwischen angerufener Taxifahrer da und bringt uns zurück nach WuLai.

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Praktisches: Eine sehr lange und überaus anstrengende Canyoning-Tour, die man nur unternehmen sollte, wenn man mit dem Terrain vertraut ist und über einschlägige Erfahrung verfügt (AJ hat den Canyon schon 3x durchstiegen und ist außerdem ausgebildeter Canyoning-Guide). Abseilstrecken von bis zu mehr als 50 Meter Höhendifferenz. Als Anker muß man nehmen, was man findet, also Bäume. Wir hatten 2 Statikseile dabei (40 und 60 Meter), die wir, wenn es möglich war, überschlagend eingesetzt haben, um schneller voranzukommen. Wenn man einmal in den Canyon eingestiegen ist, muß man durch, die Flanken der Schlucht sind felsig und steil, man kann kaum rausklettern und wenn, dann landet man in völlig unwegsamem Gelände. Es gibt unseres Wissens keinen Trail in der Nähe, auf dem man dann absteigen könnte (außer man findet den, auf dem wir gekommen sind). Auch den Bach zur Forststraße hinauf zurückzuklettern ist vermutlich ein schwieriges Unterfangen. Jedes Unwetter kann das Gelände völlig verändern. In der Schlucht besteht kein Mobilfunkempfang, unten an der Straße bei FuShan ist das Netz von TaKeDa erreichbar, jedoch offenbar nicht das von ChungHwa Telecom.
Mit deutlich weniger Wasser siehts so aus: (Link)

Und hier ist das Video zu unserem Abenteuer!

醋黃瓜 in der Waschmaschine (knapp 8 Minuten lang und ungeschnitten):

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